Markt als Koordinator von Angebot und Nachfrage
Markt = Treffpunkt von Angebot und Nachfrage
Ein Markt bildet sich immer dann, wenn Angebot und Nachfrage nach einem Gut zusammentreffen. Dies kann auf dem Marktplatz sein, am Telefon, im BĂĽro, im Supermarkt, auf einer Versteigerung usw.
Anbieter wollen möglichst viele Güter zu einem möglichst hohen Preis verkaufen → Ziel: Gewinnmaximierung
Nachfrager wollen möglichst viele Güter zu möglichst niedrigen Preisen kaufen → Ziel: Nutzenmaximierung
Marktpreis ist ein Ausgleich der entgegengesetzten Ziele = ein Kompromiss aus den Preisvorstellungen der Anbieter und denen der Nachfrager
1. Marktarten
Nach Art der gehandelten GĂĽter unterscheidet man verschiedene Marktarten
| Marktarten | Gegenstand des Marktes |
|---|---|
| KonsumgĂĽtermarkt | Handel mit GĂĽtern fĂĽr die Endverbraucher, wie z.B. Nahrungsmittel oder Autos |
| InvestitionsgĂĽtermarkt | Handel mit GĂĽtern, die zur Herstellung von anderen GĂĽtern verwendet werden, wie z.B. Maschinen |
| Geldmarkt | Bereitstellung von kurzfristigen Krediten durch Banken, Sparkassen und Privatpersonen |
| Kapitalmarkt | Bereitstellung von langfristigen Krediten durch Banken, Sparkassen und Privatpersonen |
| Arbeitsmarkt | menschliche Arbeitskraft wird angeboten bzw. nachgefragt |
| Immobilienmarkt | Handel mit Grundstücken und Gebäuden |
| Devisenmarkt | Handel mit ausländischen Währungen |
| sonstige Märkte | Handel mit Rohstoffen, Gebrauchtwagen, Kunstgegenständen usw. |
Märkte lassen sich auch nach anderen Kriterien einteilen, z.B.:
- räumlichen Gesichtspunkten, wie Markt einer Gemeinde, EU, weltweit
- Funktionen: Beschaffungsmarkt, Absatzmarkt
- organisierte Märkte: Wochenmarkt, Messen, Börsen
- nichtorganisierte Märkte: Ladengeschäfte (zufälliges Aufeinandertreffen)
2. Marktformen
Polypol (vollständige Konkurrenz)
Viele Anbieter treffen auf viele Nachfrager. Kein einzelner Marktteilnehmer kann den Preis beeinflussen, alle sind „Preisnehmer“. Beim vollkommenen Markt kommen homogene Güter, vollständige Markttransparenz und keine Präferenzen hinzu.
Beispiele: Wochenmarkt (Obst, Gemüse), Devisen- und Aktienmarkt, Bäckereien in einer Großstadt.
Auswirkungen: Starker Wettbewerb fĂĽhrt zu niedrigen Preisen nahe an den Kosten, geringen Gewinnen und hoher Effizienz. FĂĽr Verbraucher ist das die gĂĽnstigste Marktform.
Angebotsoligopol
Wenige große Anbieter stehen vielen Nachfragern gegenüber. Die Anbieter sind voneinander abhängig: Senkt einer den Preis, reagieren die anderen.
Beispiele: Mineralölkonzerne (Tankstellen), Mobilfunkanbieter (Telekom, Vodafone, O2), Automobilhersteller.
Auswirkungen: Es droht die Gefahr von Preisabsprachen (Kartelle) oder ruinösem Preiskampf. Oft entsteht ein Wettbewerb über Werbung und Qualität statt über den Preis. Preise liegen meist höher als im Polypol.
Nachfrageoligopol
Viele Anbieter stehen wenigen groĂźen Nachfragern gegenĂĽber. Die Nachfrager haben eine starke Verhandlungsmacht.
Beispiele: Molkereien gegenĂĽber vielen Milchbauern, groĂźe Autokonzerne gegenĂĽber Zulieferern, Supermarktketten (Edeka, Rewe, Aldi, Lidl) gegenĂĽber Lebensmittelproduzenten.
Auswirkungen: Die Nachfrager können die Einkaufspreise drücken. Die Anbieter geraten unter Kostendruck, und kleine Anbieter werden teilweise vom Markt verdrängt.
Monopol
Ein einziger Anbieter beherrscht den Markt und hat keine Konkurrenz. Er ist „Preissetzer“ und kann Preis oder Menge selbst bestimmen.
Beispiele: FrĂĽher die Deutsche Bundespost, heute die Deutsche Bahn im Schienennetz, lokale Wasserversorger, Patentinhaber (z. B. bei Medikamenten).
Auswirkungen: Die Folgen sind höhere Preise, geringere Angebotsmenge, hohe Gewinne für den Monopolisten sowie weniger Innovationsdruck und Qualität. Deshalb werden Monopole oft staatlich kontrolliert, in Deutschland z. B. durch das Bundeskartellamt oder die Bundesnetzagentur.
3. Preisbildung unter Wettbewerb
Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis: Auf einem Markt treffen die gegensätzlichen Interessen von Anbietern und Nachfragern zusammen. Der Anbieter möchte einen hohen Preis erzielen, der Nachfrager so wenig wie möglich bezahlen. Können sich beide auf einen gemeinsamen Preis einigen, so spricht man von Preisbildung.
Fall 1 groĂźes Angebot ABER geringe Nachfrage
→ Preis sinkt
Fall 2 geringes Angebot ABER groĂźe Nachfrage
→ Preis steigt
Kreislauf: Preis steigt → Nachfrage sinkt, Angebot steigt → Preis fällt → Nachfrage steigt, Angebot sinkt → Preis steigt …
Gleichgewichtspreis: Angebot = Nachfrage
| Preis pro kg in Euro (1) | Angebot in kg (2) | Nachfrage in kg (3) | Differenz | Notizen |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 250 | 1000 | 750 | NachfrageĂĽberschuss (6) |
| 2 | 430 | 750 | 320 | NachfrageĂĽberschuss |
| 3 | 570 | 570 | - | Gleichgewichtspreis (5) |
| 4 | 680 | 470 | 210 | AngebotsĂĽberschuss (7) |
| 5 | 770 | 380 | 390 | AngebotsĂĽberschuss |
| 6 | 850 | 310 | 540 | AngebotsĂĽberschuss |
Wo wird der Preis sich einpendeln? → 3 Euro = Gleichgewichtspreis
Skizze: x-Achse: Menge (1 cm = 100 ME) y-Achse: Preis (1 cm = 1 GE) Angebotskurve einzeichen (2) Nachfragekurve einzeichnen (3) Schnittpunkt = Gleichgewichtspreis und Gleichgewichtsmenge einzeichnen (3) Nachfrageüberschuss einfärben (unterhalb Schnittpunkt) (6) Angebotsüberschuss einfärben (überhalb Schnittpunkt) (7)
Zusammenfassung
- Der Preis eines Gutes wird bestimmt durch Angebot und Nachfrage
- Wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, steigt der Preis
- Wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage, sinkt der Preis
- Beim Gleichgewichtspreis wird die größte Warenmenge (Gleichgewichtsmenge) umgesetzt, Angebot und Nachfrage sind ausgeglichen
- Bei einem hohen Preis wird mehr produziert, bei einem niedrigeren Preis vermindern die Hersteller ihre Produktion
- Die Selbstkosten sind die langfristige Preisuntergrenze einer Unternehmung.
Anmerkung Die Preisbildung unter vollkommenen Wettbewerb ist ein Modell, sie kommt in der Wirklichkeit so nicht vor. Warum?
- Anbieter die mehr als den Gleichgewichtspreis verlangen wĂĽrden nichts mehr verkaufen
- Jeder Nachfrager der weniger bezahlen möchte würde nichts mehr kaufen können In der Realität werden unterschiedliche Preise verlangt und auch bezahlt (Gründe: z.B. unterschiedliche Qualität, persönliche Beziehung, Ortsnähe, Nachfrager besitzen keine Übersicht über die Preise, …) Börsen sind die einzigen Märkte die dem Modell sehr nahe kommen: gleichartige Güter (Aktien) + alle Marktteilnehmer können schnell reagieren und keiner wird bevorzugt
4. Einflussmöglichkeiten des Staates auf die Marktpreisbildung
Erhöhung von Steuern
Der Staat erhöht Verbrauchsteuern (z. B. Mehrwertsteuer, Tabaksteuer), wodurch die Kosten der Anbieter steigen. Diese geben die Steuer meist über höhere Preise an die Verbraucher weiter.
Beispiele: Tabaksteuer, Alkopopsteuer, CO₂-Preis auf Benzin, Heizöl und Gas.
Auswirkungen: Die Preise steigen und die Nachfrage sinkt. Das ist oft gewollt, etwa um den Konsum gesundheitsschädlicher oder umweltschädlicher Produkte zu senken. Gleichzeitig steigen die Staatseinnahmen.
Senkung von Steuern
Durch niedrigere Steuern sinken die Kosten der Anbieter, und die Preise können fallen.
Beispiele: Mehrwertsteuersenkung von 19 % auf 16 % im Jahr 2020 (Corona-Krise), ermäßigter Steuersatz von 7 % auf Lebensmittel.
Auswirkungen: Sinkende Preise sollen den Konsum ankurbeln und die Wirtschaft stärken. Allerdings geben Unternehmen die Senkung nicht immer vollständig an die Verbraucher weiter. Die Staatseinnahmen sinken.
Erhöhung/Verringerung des Angebots
Der Staat kann das Angebot fördern, z. B. durch Subventionen oder eigene Produktion, oder es verknappen, z. B. durch Zölle, Einfuhrbeschränkungen oder Auflagen.
Beispiele: Subventionen für Landwirte oder erneuerbare Energien, staatlicher Wohnungsbau, Freigabe der nationalen Ölreserve; Zölle auf Importwaren, Förderquoten.
Auswirkungen: Mehr Angebot senkt die Preise, weniger Angebot lässt sie steigen. Subventionen kosten jedoch Steuergeld und können den Wettbewerb verzerren.
Erhöhung/Verringerung der Nachfrage
Der Staat tritt selbst als Nachfrager auf oder setzt Kaufanreize. Um die Nachfrage zu senken, kann er Aufträge kürzen oder den Konsum verteuern.
Beispiele: Staatliche Bauaufträge (Straßen, Schulen), Kaufprämien wie der frühere Umweltbonus für E-Autos, Abwrackprämie 2009; Kürzung öffentlicher Ausgaben.
Auswirkungen: Steigende Nachfrage führt zu höheren Preisen und mehr Beschäftigung, sinkende Nachfrage zu niedrigeren Preisen. Prämien können aber auch nur kurzfristige Vorzieheffekte auslösen.
Höchstpreise
Der Staat legt einen Preis fest, der nicht ĂĽberschritten werden darf. Er liegt unter dem Gleichgewichtspreis und soll Verbraucher schĂĽtzen.
Beispiele: Mietpreisbremse, Gas- und Strompreisbremse 2023, Preisregulierung bei Medikamenten.
Auswirkungen: Es entsteht ein Nachfrageüberhang, da viele zum niedrigen Preis kaufen wollen, aber Anbieter weniger anbieten. Mögliche Folgen sind Knappheit (z. B. Wohnungsmangel), Warteschlangen, Rationierung und Schwarzmärkte.
Mindestpreise
Der Staat legt einen Preis fest, der nicht unterschritten werden darf. Er liegt ĂĽber dem Gleichgewichtspreis und soll Anbieter schĂĽtzen.
Beispiele: Gesetzlicher Mindestlohn (Mindestpreis fĂĽr Arbeit), frĂĽhere EU-Agrarpreise fĂĽr Milch, Butter und Getreide.
Auswirkungen: Es entsteht ein Angebotsüberhang, da mehr angeboten als nachgefragt wird. In der Landwirtschaft führte das früher zu „Butterbergen“ und „Milchseen“, die der Staat aufkaufen und lagern musste. Beim Mindestlohn wird teilweise ein Verlust von Arbeitsplätzen befürchtet.
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