BS1 - 9. Private Zusatzversicherungen (Individualversicherungen)
Wie kann man Privatversicherungen einteilen?
| Personenversicherungen | Sachversicherungen | Vermögensversicherungen |
|---|---|---|
| Lebensversicherung Risikolebensversicherung private Krankenversicherung private Krankenzusatzversicherung private Rentenversicherung Berufsunfähigkeitsversicherung | Feuerversicherung Einbruch- und Diebstahlversicherung Hausratversicherung Reisegepäckversicherung | Privathaftpflichtversicherung Berufshaftpflichtversicherung Rechtsschutzversicherung Kfz-Haftpflichtversicherung |
Wie unterscheiden sich Sozialversicherungen von Privatversicherungen?
| Sozialversicherungen | Privatversicherungen |
|---|---|
| sind gesetzlich vorgeschriebene Pflichtversicherungen | werden freiwillig vereinbart |
| erbringen Leistungen, die gesetzlich geregelt sind | arbeiten nach dem Leistungsprinzip, d.h. die Beiträge richten sich nach dem gewünschten Leistungsumfang und dem versicherten Risiko |
| arbeiten nach dem Solidaritätsprinzip, d.h. die Beiträge richten sich nach dem Verdienst, die Leistungen nach den Bedürfnissen | decken im Gegensatz zu den Sozialversicherungen nicht nur personenbezogene Risiken ab, sondern auch sach- oder vermögensbezogene. |
| Sozialversicherungsbeiträge werden grundsätzlich zur Hälfte vom Arbeitgeber finanziert. | Bei einer Erhöhung des Risikos, wird der Beitrag entsprechend angepasst (Leistungsprinzip) |
Die wichtigsten Versicherungen für Azubis
Krankenversicherung
- Azubis müssen sich gesetzlich krankenversichern
Private Haftpflichtversicherung
- springt ein, wenn man anderen Schade zufügt
- Anmerkung: Azubis sind in ihrer ersten Ausbildung i.d.R. über die Haftpflichtversicherung der Eltern mitversichert
Private Unfallversicherung
- greift bei unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit
- ist weltweit gültig
- die gesetzliche Unfallversicherung greift automatisch, wenn der Unfall am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin passiert
Berufsunfähigkeitsversicherung
- greift bei krankheits- oder berufsbedingter Arbeitsunfähigkeit
- je jünger der Versicherte, desto geringer die Beiträge
- Beiträge sind abhängig vom Berufszweig (z.B. zahlt ein Maurer-Azubi mehr als ein Bürokaufmann-Azubi)
Hausratversicherung
- steht in der eigenen Wohnung hochwertige Ausstattung, ist eine eigene Hausratversicherung sinnvoll
- Azubis, die noch bei den Eltern wohnen (oder nur vorübergehend ausziehen), bleiben mit ihrem Hausrat über den elterlichen Vertrag versichert.
Kfz-Versicherung
- Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben und kommt für alle Schäden eines Unfallgegners auf
- (Teil-)Kaskoversicherung reguliert die Schäden am eigenen Auto z.B. Diebstahl, Vandalismus; Vollkaskoversicherung zahlt bei einem selbstverschuldeten Unfall auch die Schäden am eigenen Auto
Aufgaben Buch Seite 79
Aufgabe 1 a) Wie kann man Privatversicherungen einteilen? Geben Sie zusätzlich je zwei Beispiele an. b) Unterscheiden Sie Privat- und Sozialversicherungen. c) Weshalb muss einer Privatversicherung eine Gefahrenerhöhung mitgeteilt werden?
Aufgabe 2 a) Für welche Personen ist der Abschluss einer privaten Krankenversicherung Pflicht? b) Unterscheiden Sie zwischen Risiko- und Kapital-Lebensversicherungen. c) Bei Freizeitunfällen übernimmt die Krankenkasse die Krankheitskosten. Dennoch kann eine private Unfallversicherung sinnvoll sein. Erklären Sie diese Aussage.
Aufgabe 3 a) Welche Schäden werden von einer verbundenen Hausratversicherung übernommen? b) Erläutern Sie, was man unter einer Unterversicherung versteht. c) Welche Folgen ergeben sich für den Versicherten, wenn er unterversichert ist?
Aufgabe 4 a) Nennen Sie zwei Haftpflichtversicherungsarten. b) Welche Aufgabe hat eine Haftpflichtversicherung?
Aufgabe 5 a) Werten Sie das Schaubild aus und begründen Sie die Rangfolge. b) Empfehlen Sie sinnvolle Privatversicherungen:
Fall 1: Sabine K (19 Jahre): Die ledige Konditorgesellin wohnt in einer Einzimmerwohnung, die sie sich nach und nach einrichtet. Ihr Hobby ist Drachenfliegen.
Fall 2: Anton B. (25 Jahre): Anton ist verheiratet, hat zwei kleine Kinder und wohnt in einer großen Wohnung, die teuer eingerichtet ist.
c) Überlegen Sie, weshalb der Staat ein Interesse daran hat, dass sich seine Bürger privat versichern, und erläutern Sie, wie er dies unterstützt.
Lösungen
Aufgabe 1 a)
- Personenversicherungen: Lebensversicherung, private Krankenversicherung, private Unfallversicherung, private Rentenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung
- Sachversicherungen: Feuerversicherung, Einbruch-Diebstahlversicherung, verbundene Hausratversicherung, Reisegepäckversicherung
- Vermögensversicherungen: Privathaftpflichtversicherung, Berufshaftpflichtversicherung, Rechtsschutzversicherung, Kfz-Haftpflichtversicherung
b) Sozialversicherungen
- sind gesetzlich vorgeschriebene Pflichtversicherungen
- erbringen Leistungen, die gesetzlich geregelt sind
- arbeiten nach dem Solidaritätsprinzip, d.h., die Beiträge richten sich nach dem Verdienst (in Prozent des Bruttolohns), die Leistungen nach den Bedürfnissen
- Sozialversicherungsbeiträge werden grundsätzlich zur Hälfte vom Arbeitgeber finanziert (Ausnahme: Unfallversicherung zu 100 %) Privatversicherungen (Individualversicherungen)
- werden freiwillig vereinbart
- arbeiten nach dem Leistungsprinzip, d.h., die Beiträge richten sich nach dem gewünschten Leistungsumfang und dem versicherten Risiko
- decken im Gegensatz zu den Sozialversicherungen nicht nur personenbezogene Risiken ab, sondern auch sach- oder vermögensbezogene
c) Privatversicherungen arbeiten nach dem Leistungsprinzip, d.h., bei einer Erhöhung des Risikos wird der Beitrag entsprechend angepasst.
Aufgabe 2
a) Eine private Krankenversicherung ist Pflicht für Personen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht krankenversicherungspflichtig sind: Beamte, Selbstständige und Arbeitnehmer, deren Einkommen die Versicherungspflichtgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung überschreiten.
b) Bei der Risikolebensversicherung wird die Versicherungssumme bei vorzeitigem Tod an die Hinterbliebenen ausgezahlt. Die Kapitallebensversicherung wird entweder bei vorzeitigem Tod an die Hinterbliebenen ausgezahlt oder bei Erreichen eines bestimmten Alters an den Versicherten selbst.
c) Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt nur die Heilbehandlung. Zurückbleibende Schäden wie Invalidität können nur durch eine private Unfallversicherung abgesichert werden. Dies ist besonders für diejenigen Personen wichtig, die bei der Rentenversicherung noch keine Wartezeit erfüllt haben.
Aufgabe 3
a) Eine verbundene Hausratversicherung normalerweise Schäden, die durch Feuer, Einbruch-Diebstahl, Leitungswasser oder Glasbruch entstanden sind.
b) Eine Unterversicherung liegt vor, wenn die Versicherungssumme kleiner ist als der Wert der versicherten Sachen (Versicherungswert).
c) Bei einer Unterversicherung werden entstandene Schäden nur anteilig ersetzt.
Aufgabe 4
a) Privathaftpflichtversicherung, Berufshaftpflichtversicherung, Tierhaftpflichtversicherung, Gebäudehaftpflichtversicherung, Kfz-Haftpflichtversicherung
b) Die Haftpflichtversicherung übernimmt Schäden, die der Versicherte aus unerlaubter Handlung einem Dritten zugefügt hat. Beispiel: ein verschuldeter Verkehrsunfall
Aufgabe 5
a) Es fällt auf, dass drei Risiken den Großteil des Beitragsaufkommens ausmachen, nämlich Leben, Krankheit und Kraftfahrzeug.
- Bei der Lebensversicherung dürfte die Altersvorsorge, die Rentenunsicherheit und die Absicherung von Berufsanfangsjahren eine Rolle spielen.
- Bei den privaten Krankenversicherungen dürfte die Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu steigenden Beiträgen geführt haben. Leistungskürzungen der gesetzlichen Krankenkassen dürften die Ursache für einen vermehrten Abschluss von Zusatzversicherungen sein.
- Die Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben, Vollkasko wählen viele zusätzlich.
b) Sabine K.:
- Private Unfallversicherung, aufgrund der nicht ganz ungefährlichen Hobbys, außerdem um Dauerfolgen von Freizeitunfällen abzusichern, die jedermann passieren können.
- Privathaftpflichtversicherung, sie sollte jeder Erwachsene besitzen, da Schadenersatzforderungen enorme Höhen erreichen können.
- Private Rentenversicherung oder Lebensversicherung als Altersvorsorge, da die heutigen jungen Beitragszahler in der gesetzlichen Rentenversicherung nur einen Teil ihrer Altersvorsorge sehen können. → Riester-Rente, Rürup-Rente
- Berufsunfähigkeitsversicherung, da in den ersten Berufsjahren entweder keine oder nur geringe Rentenansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung bestehen, wenn man erwerbsunfähig oder berufsunfähig wird.
- Zusatzkrankenversicherung, um Leistungskürzungen der gesetzlichen Krankenkassen aufzufangen
Anton B.:
- Private Unfallversicherung, um Dauerfolgen von Freizeitunfällen abzusichern, die jedermann passieren können, auch kleinen Kindern.
- Privathaftpflichtversicherung, sie sollte jeder Erwachsene besitzen, besonders wenn er Kinder hat, die Schadenersatzforderungen enorme Höhen erreichen können.
- Verbundene Hausratversicherung, da Anton seine Wohnung teuer eingerichtet hat.
- Kapitallebensversicherung als Absicherung für seine Familie, weniger eine private Rentenversicherung, da in diesem Falle die Hinterbliebenen nichts erhielten.
- Berufsunfähigkeitsversicherung, da in den ersten Berufsjahren entweder keine oder nur geringe Rentenansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung bestehen, wenn man erwerbsunfähig oder berufsunfähig wird.
- Zusatzkrankenversicherung, um Leistungskürzungen der gesetzlichen Krankenkassen aufzufangen.
c) Bürger, die aufgrund fehlender Absicherung in Not geraten, wären gezwungen, staatliche Unterstützung wie beispielsweise Sozialhilfe zu beantragen. Der Staat gibt zu einigen Privatversicherungen Zulagen.